Referat, das Prof. Dr. Günter Dippold anläßlich der Festveranstaltung zum Tag der Franken am 3. Juli 2016 in Hof hielt

 

mit dem nachstehenden Link gelangen Sie zum Audio-Vortrag seiner Rede:

 

https://vimeo.com/174489349

 

 

 

Rede unseres Vorsitzenden Dr. Helmut Ritzer vor der Arbeitsgemeinschaft der fränkischen Oberbürgermeister vom 21.9.2012

Fränkische Arbeitsgemeinschaft e.V.                                      
Der Vorsitzende
Dr. Helmut Ritzer
Landtagsvizepräsident a.D.


Rede zur Vorstellung der FAG bei der Tagung der fränkischen Oberbürgermeister am 21. September 2012

 

Einleitung
Vorstellung oder vielleicht doch Vorstellungen ?

 

Zur FAG:
1.    Kind der Kommunalpolitik Gründung 1948 von kommunalpolitisch engagierten Mitbürgern, der erste Vorsitzende war Dr. Friedrich Bergold, Rechtsanwalt  und Stadtrat in Nürnberg, sein Stellvertreter und Schriftführer der Nürnberger Verleger Lorenz Spindler, NZ

 

2.    Kommunale Führung bleibt lange Jahre erhalten, Dr. Friedrich Bergold,  Landräte Paul Keim, Feuchtwangen,  erst 21 Jahre  2. Vorsitzender, dann 14 Jahre 1. Vorsitzender und Dr. Diedrich Sommerschuh, Fürth. Viele kommunale Mitgliederim Verein, auch wenn manche nach dem Motto „kein Geld für freiwillige Aufgaben“ ausgetreten sind. Aber: die Mehrheit der Mitgliedsstädte sind noch bei uns.

 

3.    Auf Überparteilichkeit wird bei uns streng geachtet.

 

4.    Grundüberlegungen von 1948
Franken in Bayern - ein Problem
Aufruf vom 25.Februar 1948:
„ An der Rolle des Stiefkindes, die Franken seit je politisch bevormundet und finanziell benachteiligt zu spielen hat, hat sich nichts geändert.“

 

Beklagt wird der (damalige?) Widerspruch zwischen innerbayerischem Zentralismus und  rückständigen bayerischem Separatismus innerhalb Deutschlands.

 

5.    Parlamentariergespräche
Als Ergebnis unseres ersten Parlamentariergesprächs im Maximilianeum ist eine Art Arge Fränkischer Abgeordneter in München entstanden, die Koordinierung erfolgt durch Frau Abgeordnete Helga Schmitt-Bussinger, unsere Parlamentsbeauftragte.
Die FAG hat Mitglieder aus allen Fraktionen, deshalb werden wir weiter versuchen über sie das direkte Gespräch mit dem Parlament fortzusetzen.

 

6.    FAG hat den Tag der Franken durchgesetzt
Wesentliches Element zur Stärkung der fränkischen Identität

 

Zur Sache:
Fehlentwicklung der Landesplanung in Bayern

 

1.    Sie haben das Thema Landesplanung auf Ihrer Agenda, erlauben Sie mir,  mich dazu sehr freimütig zu äußern, schließlich gibt es dazu das Gutachten der Zukunftskommission der Bayerischen Staatsregierung, das in allen Landesteilen, besonders aber in Franken die Alarmglocken schrillen lassen müsste. Es ist pointiert formuliert und  kommt zu der Einsicht, dass es keine Landesplanung gibt, zumindest keine erfolgreiche und man deshalb dem ohnehin gegebenen Trend zur Konzentration auf den Münchner Raum folgen soll.

 

Das Leitbild der Überlegungen ist klar: Wer Bayern als Standort im internationalen Wettbewerb der zukunftsträchtigen Regionen der globalisierten Welt positionieren will, muss München massiv fördern.

 

2.    Bayern wird München
Die Geltung des Gutachtens der Zukunftskommission wird zwar dementiert, bleibt aber Grundlage der Entscheidungen der Staatsregierung.
Dabei hat es eine zweifache Funktion:
•    die Rechtfertigung der seit Jahrzehnten praktizierten Bevorzugung der Regierungshauptstadt und die
•    Rechtfertigung der neuen geplanten Großvorhaben.
Es fällt keinem mehr auf, dass es ja eigentlich nicht selbstverständlich ist, dass der Freistaat in einer Stadt
•    zwei Universitäten hat (LMU, TUM),
•    jede dieser Universitäten Großkliniken betreibt,
    o    Großhadern (LMU)
    o    Innenstadt (LMU)
    o    Rechts der Isar (TUM)
    o    Deutsches Herzzentrum (TUM)

•    vier große Theater betreibt
    o    Nationaltheater
    o    Theater am Gärtnerplatz
    o    Residenztheater
    o    Prinzregententheater
•    einen Konzertsaal vorhält, nämlich
    o    den Herkulessaal der Residenz und
•    allein vier große Gemälde- und Kunstsammlungen als „Pinakotheken“ 

     unterhält
    o    die Alte Pinakothek
    o    die Neue Pinakothek
    o    die Pinakothek der Moderne mit der Sammlung Brandhorst
    o    das Haus der Kunst als gesonderten Ausstellungsort, dazu noch
    o    das  Bayerische Nationalmuseum als kunsthistorische Sammlung

          übrigens mit den wichtigsten fränkischen Objekten (Herzogschwert) und
    o    die Sammlungen der Residenz (mit der Kronensammlung).
Die Aufzählung ließe sich bei den Museen, bei Schulen und Akademien fortsetzen, die Hochschule (FH)  München übertrifft selbstverständlich alle Fachhochschulen in Franken, vom Lehrangebot und natürlich von der Größe.

 

3.    Jetzt plant  man die „Leuchtturmprojekte“:
•    Den Bau eines  Konzertsaals für München,  Isarphilharmonie

      (Staatsaufgabe ?)
•    den Neubau von Großhadern (OP-Trakt mit 70 Sälen in Bau)
nachdem die Sanierung der Unikliniken Innenstadt der LMU – die nach der Errichtung von Großhadern eigentlich geschlossen werden sollten – und die Erweiterung und Sanierung des Klinikums rechts der Isar abgeschlossen sind.
•    die  Erweiterung des Flughafens mit einer dritten Startbahn
•    den Bau der zweiten Stammstrecke der S-Bahn

 

4.    Dem Invest in Munich muss jetzt Invest in Franconia folgen
Primär heißt das den Ausbau universitären technischen Ausbildung und der Forschungseinrichtungen an allen fränkischen Universitäten.
Für eine zweite Technische Universität in Bayern für die nördlichen Landesteile in Nürnberg gibt es kein Geld. Da hat sich gegenüber 1902 und 1957 nichts geändert. Als Erlanger freue ich mich schon über die Technische Fakultät, nur ist das eben  keine TU, die den gesamten Fächerkanon abdeckt, wie z.B. Architektur, Bauingenieurwesen,  Städte- und Verkehrsplanung.( Wer macht bei Ihnen die Gutachten?  TU München!) Das bestätigt das Wissenschaftsministerium selbst auf eine entsprechende Landtagsanfrage.
Wirtschaftliche Entwicklung folgt immer der Ausbildung, der Kooperation mit  Universitäten und Forschungseinrichtungen. (Beispiel Datev).

 

5.    Das heißt aber nach unserer Überzeugung:
Wenn in Franken alle die gleichen Probleme haben mit
•    dem Bevölkerungsverlust
•    dem demografischen  Wandel, mit der dramatischen Überalterung
•    dem Verlust der jungen Leute, die  zur Ausbildung verschwinden und wegbleiben

dann  müssen Sie, die regionalen Akteure selbst Ziele und Prioritäten der Regionalpolitik formulieren und vertreten.
Wir glauben, dass mehr Aktion statt Reaktion und
mehr Gemeinsamkeit nötig ist.
Die Arbeitsgemeinschaft der fränkischen Oberbürgermeister ist ja auf dem richtigen Weg:
Sie kann anknüpfen an das Konzept des Frankenmarketings vom Ende der 90er Jahre.

 

Natürlich: nicht jammern, aber fordern.

 

 

Rede unserer Parlamentsbeauftragten Helga Schmitt-Bussinger, MdL auf dem Tag der Franken 2012 in Schwabach

Grußwort
zum Tag der Franken 2012
am 7.7.2012 in Schwabach


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Seehofer ,
sehr geehrter Herr Bezirkstagspräsident Bartsch,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Thürauf,
liebe Festgäste,

Als Schwabacherin und begeisterte Fränkin freue ich mich besonders, dass der „Tag der Franken“ heute bereits zum 7. Mal gefeiert wird - mit tollem Motto „Frauen in Franken“. Nicht, weil wir Franken uns so wichtig nehmen und deswegen einen eigenen Feiertag bräuchten – nein!
In einer globalisierten Welt, in der uns London, Paris und Rom fast so vertraut sind wie München, Würzburg oder Bayreuth, gewinnt die Heimatregion eine immer größere Bedeutung. Auch deswegen ist ein Tag der Franken gut und sinnvoll.
Ich spreche heute für die fränkischen Vereine und Organisationen, insbesondere für den Fränkischen Bund, den Frankenbund und die Fränkische Arbeitsgemeinschaft, aber auch für andere Vereine wie Sänger, Trachtler, Geschichts- und Heimatvereine, die sich auf dem Martin-Luther-Platz präsentieren.
Für uns, die sich Franken, seiner Geschichte, Tradition und Brauchtum beson-ders verbunden fühlen, ist es nach wie vor eine große Freude, dass es diesen Festtag gibt.
Im Namen der fränkischen Vereine und Organisationen heiße ich Sie herzlich willkommen.
Herr Oberbürgermeister Thürauf, ich muss Sie heute ausnahmsweise mal lo-ben: Sie wissen, die Frankenfahne ist heute ein „Muss“ und Sie haben sie ge-hisst!
Wenn es allerdings nach Ihren Beamten in der Staatsregierung in München gegangen wäre, Herr Ministerpräsident Seehofer, dürfte nach wie vor keine Frankenfahne wehen. Auch hier wird wieder mal deutlich: Die Bayern verstehen die Franken einfach nicht!  
Verehrte Gäste,
Die Planer des heutigen Festtages haben ein vielversprechendes Motto gefun-den: „Frauen in Franken“. Es ist spannend, welche und wie viele starke, inter-essante Frauen es in Franken gab und gibt.
Ich habe exemplarisch zwei herausgreifen, die fast genau 200 Jahre getrennt voneinander für Franken gewirkt haben. Beide haben sich, obwohl sie schwere Zeiten durchmachen mussten, nicht ihrem Schicksal ergeben, sondern haben für ihre Ziele und Visionen erfolgreich gekämpft:
Das ist zum einen Wilhelmine von Preußen : 1709 geboren – sie war die älteste Tochter des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. Ursprünglich sollte sie Königin von England werden, wurde aber durch Heirat dann „nur“ Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth. Sie malte, schrieb, komponierte und…baute; nämlich im Jahr 1748 das Markgräfliche Opernhaus von Bayreuth, das atemberaubendste Theater ihrer Zeit. Dieses ist seit wenigen Tagen UNESCO-Weltkulturerbe.

Die zweite Frau, die ich herausgreifen will, ist Käte Strobel

1907 in Nürnberg geboren -  Sie wird erste fränkisch und auch bayerische Mi-nisterin in einem Bundeskabinett:  am 1. Dezember 1966  wird Käthe Strobel Bundesministerin für Gesundheitswesen in der von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geführten Bundesregierung der Großen Koalition.
Käthe Strobel war nicht nur Ministerin in einem Bundeskabinett; sie war auch Mitglied des Europäischen Parlaments, dort zwei Jahre Vorsitzende der Soziali-stischen Fraktion, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments.
 Ein – heute sehr passendes - Zitat von ihr ist überliefert:
„Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte.“
Und damit wende ich mich an Sie, Herr Ministerpräsident Seehofer:
Wir Franken sind nicht neidisch auf München oder Oberbayern! Wir haben auch schweren Herzens akzeptieret, dass Dürers Selbstbildnis nicht nach Nürnberg ausgeliehen wurde.
Aber: Wir erwarten, dass unsere Anliegen ernst genommen werden.
Wir freuen uns mit Eichstätt und Pfaffenhofen über niedrige Arbeitslosenzahlen von unter 3%
Aber: 7,5% Arbeitslosigkeit in Nürnberg ist zu viel - Wir brauchen auch in Fran-ken Arbeitsplätze.
Wir haben in München eine weltweit anerkannte Forschung und Lehre – u.a  eine  hervorragende TU - und das ist gut so!
Aber: Fördern Sie ebenfalls angemessen Hochschulen und Forschung in Fran-ken – eine TU in Nürnberg ist überfällig!!!
Wussten Sie eigentlich, dass Schwabach die einzige kreisfreie Stadt in Bayern ist, die kein Hochschulstandort ist?
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
verehrte Gäste,

Sie können sicher sein, diese politischen Forderungen bleiben auf der Agenda – wir Franken werden nicht müde, weiter zu bohren!
Damit Ihnen, verehrter Herr Ministerpräsident, Franken auch weiterhin im Sinn und im Blick bleibt, möchte ich Ihnen ein Geschenk überreichen: Heute bekommen Sie die Urkunde über die „Geburtsstunde Frankens“ am 2. Juli 1500.
Damals wurde das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ in sechs Kreise eingeteilt; der „erst und furnembst“ – wie auf der Urkunde wörtlich zu lesen ist – war der fränkische Kreis.
Dieser hatte über 300 Jahre Bestand - ja, bis die Franzosen Franken - quasi als Kriegsbeute - an Bayern verschenkt haben.
Mögen Sie mit diesem Bild das ganze Jahr über Franken im Blick und im Sinn behalten.
Verehrte Gäste,
Ihnen allen noch einen kurzweiligen, interessanten Tag bei uns in Schwabach / bei uns in Franken.

Klartext: Rede unseres Vorsitzenden Dr. Helmut Ritzer anläßlich des Festaktes zum Tag der Franken in Kulmbach vom 3. Juli 2010

Tag der Franken 2010
Kulmbach 3. Juli 2010


Rede des Vorsitzenden der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft
Dr. Helmut Ritzer Landtagsvizepräsident a.D.


Sperrfrist 03.07.10 11.00 Uhr

Anrede,
hochgeschätzte Festversammlung,

mit dem 5. Tag der Franken feiern wir ein kleines Jubiläum, wir sind weit gekommen, wer hätte das vor fünf Jahren in Nürnberg bei der  ersten Veranstaltung gedacht.

Für die fränkischen Organisationen, für die ich hier spreche, ist dies eine große Genugtuung:  es ist gelungen, was sich viele erträumt haben.
Wir Franken feiern selbstbewusst  und fröhlich uns selbst, unsere Landschaften und unsere Geschichte: ohne Pathos und ohne peinliche „Frankentümelei“.  
Herzlichen Dank allen, die mit ihrem Engagement dies möglich gemacht haben.

Ein dankbarer Blick zurück, ein kritischer nach vorn.
Es muss darüber gesprochen werden, was wir mit diesem Tag erreichen wollen. Nach dem  einstimmigen Landtagsbeschluss vom 18.Mai 2006 soll vor allem aufgrund eines vielfältigen Engagements aus der Bevölkerung ..an Brauchtum und Geschichte der fränkischen Region erinnert und zugleich das Bewusstsein für die Entwicklungskraft und das Innovationspotenzial Frankens gestärkt werden.
Aber, wer wird eingebunden ?  Sind wir nicht drauf und dran, Mittel-  Ober- und Unterfrankentage zu feiern?  Ein selbstkritischer Blick auf die fünf Tage der Franken zeigt, dass inzwischen jeder Bezirk „seinen“ Tag fest verteidigt, Vorbereitungsgespräche gibt es kaum noch, gesamtfränkische Beteiligungen, etwa der Universitäten, der Metropolregion, der großen Vereine und Verbände fehlen. Durch die relativ kurzfristig festgelegten Veranstaltungsorte und  –programme  sind viele Organisationen nicht mehr in der Lage, sich auf den Frankentag einzulassen. Musikverbände planen halt langfristig...

Wir schlagen deshalb erneut einen Gesprächskreis oder Beirat vor, der diese Fragen mit den Bezirken und der Landespolitik erörtert. Das im Landtagsbeschluss als Koordinator genannte Haus der bayerischen Geschichte hat sich nach meiner Kenntnis klammheimlich verabschiedet.

Auch übers Geld müssen wir reden, Herr Dr. Denzler hat recht, dass der für die erste Veranstaltung zwischen mir und dem damaligen Vorsitzenden des Haushaltsausschusses Manfred Ach verabredete Zuschuss von 20000 € nicht ausreicht für ein anspruchsvolles Programm.

Wir wollen, dass der Tag der Franken auch ein Tag der fränkischen Geschichte ist. So steht es ja auch im Landtagsbeschluss. Nur für ein fränkisches Geschichtsbewusstsein reicht ein Tag nicht aus. Wir fordern deshalb mehr Geschichtsunterricht an den Schulen, natürlich nicht nur in Franken, den Altbaiern und Schwaben tut das auch gut. Und wir wollen jetzt endlich eine Landesausstellung zum fränkischen Reichskreis, meinetwegen zu allen bayerischen und angrenzenden Reichskreisen, um diese über Jahrhunderte funktionierenden und das Deutsche Reich tragenden Institutionen ins Bewusstsein der Menschen zu bringen.

Noch ein paar Bemerkungen zum Fahnenstreit.
Die Frankenfahne mit dem Rechen ist ein fränkisches Kultursymbol. Darauf sollte auch Bayern stolz sein, schließlich ist der Frankenrechen ein Teil des bayerischen Staatswappens. Warum soll dieses Symbol zu festlichen Anlässen nicht  an Staatsgebäuden wehen ? König Ludwig I. hat diesen Frankenrechen als gemeinsames Zeichen für alle Franken eingeführt, als kulturelles Symbol, der wollte doch nicht das relativ junge Königreich Bayern damit in Frage stellen. Und  jetzt wird die bayerische Verfassung als Verbotsgrund benannt, weil in Artikel 1 die bayerischen Farben als weiß-blau beschrieben sind. Als ob das jemand ändern wollte. Bayern ist ein Kulturstaat, das steht in Artikel 3, dort steht auch, der Staat schützt die kulturelle Überlieferung,  ja dann tut es doch endlich.

Natürlich auch noch ein Wort zur Beutekunst.. Mit Blick auf die Zeit mit einem Zitat:
„Einem Freistaat, der sich wie kein zweites Land für föderale Strukturen stark macht, stünde eine Abkehr vom bestehenden altbayerischen Kulturzentralismus gut an, auf dass jene Dinge wieder nach Franken kämen, die auch dorthin gehören.“ Soweit Günther Beckstein in seinem Buch „Franken, mein Franken“, im Buchverlag des „Fränkischen Tags“ hier in Kulmbach erschienen.
Und weiter steht da:
„Eine Rückführung fränkischer Beutekunst nach Franken wäre ein Zeichen für die längst vollzogene und allen Friktionen zum Trotz gut gelungene Integration der Franken in das bayerische Ganze.“

Verpasste Chance, zu kurz im Amt, aber vielleicht bringen solche Gedanken, Herr Ministerpräsident, doch etwas Bewegung in verhärtete Fronten. Dann würde der Tag der Franken sein Ziel erreichen. eine Änderung des Bewusstseins auf allen Seiten.

Das Buch von Günther Beckstein als Geschenk zum morgigen Geburtstag. Grün verpackt, nicht rot-weiß.  Grün ist die Farbe der Hoffnung.

 

 

 

Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly am 3. April 2006 bei der Eröffnung der Landesausstellung „200 Jahre Franken in Bayern“ im Museum Industriekultur

 

Grußwort malyziös

„Nachbarn sind wir schon, lassen Sie uns an der
Freundschaft arbeiten.“

Grußwort von Oberbürgermeister
Dr. Ulrich Maly
am 3. April 2006 bei der Eröffnung der
Landesausstellung „200 Jahre Franken in Bayern“
im Museum Industriekultur

Anrede,
diese kurze Begrüßung gehört zu den schwereren Aufgaben, weil ich mich an empfindlichen Stellen der fränkischen Seele entlang hangeln muss. Verschiedene Varianten wären denkbar:

1. Leicht hätte es der fränkische Patriot mit Stolz im Herzen: Er würde auf die große Vergangenheit der Reichsstädte – besonders Nürnbergs – hinweisen. Er würde herausarbeiten, dass in der Zeit der Industrialisierung die großen Unternehmen in Schweinfurt, die Porzellanfabriken in Oberfranken und die Industrie in Nürnberg dem Königreich das Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet haben. Er würde nicht vergessen zu erwähnen, dass die meisten und besten Sorten bayerischen Bieres fränkische Biere sind, vom Wein – den es in Bayern nun definitiv wirklich nur in Franken gibt – schwärmen. Er müsste darauf hinweisen, dass wir den MP3-Player erfunden haben und mit adidas und Puma den Weltmarkt in Sportartikeln ebenso aufrollen wie die Nürnberger Marktforschung ganz oben mitspielt.
Nur ganz wenigen Eingeweihten würde dann auffallen, dass die Sportartikler und die Marktforscher – obgleich Top of the world – im bayerischen Clusterkonzept komischerweise nicht erwähnt werden. Aber nur ganz wenigen.
Und das ist ja heute auch nicht das Thema. Und die marktschreierische Rolle ist die meine nicht. Außerdem überlasse ich das Frankenloben heute dem Ministerpräsident en.
2. Genauso leicht hätte es natürlich der larmoyant-grantelige Grußwortfranke. Der müsste über die Benachteiligung jammern, dies anhand von extrem ungleich verteilten Max-Planck-Instituten oder Fraunhofer-Dependancen begründen, auf die im Norden höhere Arbeitslosigkeit hinweisen und den oberbayerischen Dialekt- und Trachtenimperialismus geißeln.

Und ganz ohne Beutekunst könnte das natürlich auch nicht vonstatten gehen – dass Dürer-Originale in der Albertina hängen, ist für uns weit leichter hinzunehmen als dass sie in München hängen. Das würde dann überleiten zum aktuellen Kulturzentralismus, der die Staatsregierung in München ein Museum nach dem anderen bauen lässt, aber Halt! Das haben wir doch alle schon tausendmal gehört, mögen’s auch nimmer hören und es ist auch nicht meine Art zu jammern. Also: Für heute ungeeignet.

3. Dann vielleicht doch eher hintersinnig, ein bisschen fränkisch-subversiv. Da müsste man sicher historisch beginnen, mit der Gattin von Paul Merkel, die, so sagt die Anekdote, 1806 weinend zu ihren Kindern gesagt haben soll: „Ihr Armen, nun seid Ihr Fürstenknechte.“ Nachdem es historisch nicht exakt überliefert ist, würde ich annehmen, sie hat gesagt: „Allmääächd Kinder, edzerdla seid Ihr Fürstenknechte.“
Das gäbe mir die Gelegenheit, auf die Begleitausstellung „Paul Wolfgang Merkel. Kaufmann. Reformer. Patriot.“ hinzuweisen, die im Fembohaus stattfindet.
Ich könnte dann beziehungsreich darüber witzeln, dass die Staatsregierung froh sein müsste, dass ihre Vorläuferkönige auf einen obligatorischen Sprachtest bei unserer Integration verzichtet haben – sonst wären wir heute noch preußisch
Denn das prälabiale „L“, das beim Satz „Moo hosd die Kulln ghulld oder sind die gschdulln?“ annäherungsweise zu hören ist, dieses prälabiale „L“ ist vermutlich eine genetische Besonderheit, die auch durch den klaren Vorrang der altbayerischen Leitkultur nicht zu beseitigen ist.
Dann müsste ich mich – alle Freunde dieser Idee mögen mir verzeihen – darüber lustig machen, dass das bayerische Parlament in München einen Tag der Franken ausgerufen hat. Einen Tag. Offenbar zum Gedenken an eine archaische Kultur, an eine aussterbende Spezies. Der Nürnberger Kabarettist Bernd Regenauer hat angemerkt, das sei wie ein Tag der Inuit und vorgeschlagen, wir sollten ihn am besten gleich zusammen mit den Eskimos feiern.
Nein, nein, ich hatte mir vorgenommen, heute sehr friedlich zu sein, in der Begrüßung jede Anspielung zu vermeiden, ja sogar deutlich zu machen, dass wir alle sehr wohl wüssten, dass wir in einem ziemlich guten Bundesland leben, dass für uns jeder Tag ein Tag der Franken ist, genauso wie jeder Tag einer der Schwaben oder Altbayern. Ich hätte gesagt, dass diese landsmannschaftlichen, sprachlichen und Mentalitätsunterschiede den Freistaat bereichern, wollte meinem Eindruck Ausdruck verleihen, dass Staatsregierung und Staatsverwaltung längst die physikalische Blickbrechung überwunden haben, die in früheren Zeiten die Reichweite von München aus auf die Donau begrenzt hatte.
Am Ende wollte ich noch etwas Lobendes über Dr. Beckstein sagen oder vielleicht auch nicht, weil dann immer alle so aufgeregt sind. Ich dachte mir, ich lobe brutalstmöglich zurück, gerade ich als Frankensozi – das wäre ja in jeder Hinsicht unerhört. Bestärkt, dass das die richtige Tonlage ist, hat mich dann am Freitagmittag ein Fax aus der Staatskanzlei (Protokollabteilung) erreicht. Es war ein Textvorschlag für mich, wie ich Herrn Ministerpräsident Stoiber mit Gattin heute begrüßen sollte – ein so genannter „Anredevorschlag“. Sehr geehrte Damen und Herren, erkennen Sie die Fürsorge, ja geradezu die Zuwendung, die aus diesem Fax spricht? Die diese ganze Debatte über die Allmachtbestrebungen der Staatskanzlei als hohles Gerede entlarvt. Es ist nicht Zentralismus, es ist die reine Liebe zu allen bayerischen Landesteilen, die die Menschen dort umtreibt. Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, ein deutsches Sprichwort sagt: „Einen Franken soll man sich zum Freund, aber nicht zum Nachbarn wünschen.“ Nun – Nachbarn sind wir schon, lassen Sie uns an der Freundschaft arbeiten. Die Ausstellung ist ein Beitrag dazu.

Aktuelles

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Pressemitteilung unserer Parlamentsbeauftragten Helga Schmitt-Bussinger, MdL mit den Titel:

 "Vergabe an National Express (NX) ist unnötiges Risiko für die S-Bahn-Nutzer in der Region Nürnberg"

 

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Pressemitteilung unserer Parlamentsbeauftragten Helga Schmitt-Bussinger, MdL mit den Titel:

Technische Hochschule für die Ohm-Hochschule Nürnberg ein guter Anfang.

 

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Pressemitteilung unserer Parlamentsbeauftragten Helga Schmitt-Bussinger, MdL: Jahrelanger Einsatz für die Frankenfahne hat sich gelohnt.

 

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Pressemitteilung unserer Parlamentsbeauftragten Helga Schmitt-Bussinger, MdL zum Theama:

 

Oberbayerische Arroganz verhindert Dürer-Bild Ausleihe

 

Für Helga Schmitt-Bussinger, Sprecherin der mittelfränkischen Landtagsabgeordneten ist die endgültige Absage des Wissenschaftsministers einer Ausleihe Dürers Selbstbildnis nach Nürnberg der Schlusspunkt einer Blamage der Staatsregierung.

 

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Rot-Weiß für Nürnberg und Franken

 

Brief der Sprecherin der mittelfränkischen SPD-Landtagsabgeordneten, Helga
Schmitt-Bussinger, an Innenminister Joachim Herrmann über die Beflaggung der
Nürnberger Burg. Download hier